Von der Blüte ins Honigglas.

Der Weg von der Blüte bis ins Honigglas.

Eine Pflanze blüht, um sich zu vermehren. Sie benötigt dafür den Pollen einer anderen Pflanze ihrer Art. Dies kann auf 2 Wegen geschehen:  

  1. Durch  Windbestäubung. Hier trägt der Wind den pulverförmigen Pollen  von Blüte zu Blüte (z.B. Gräser, Getreide, Mais ).
  2. Durch Insekten. Hierbei dienen blütenbesuchende  Insekten als Überträger des Pollens von Blüte zu Blüte.

Neben Wildbienen und Hummeln sind die Honigbienen die bei weitem wichtigsten und zahlreichsten Bestäuberinsekten. Nur Bienenvölker sind im Frühjahr in der Lage, genügend Individuen zu stellen, um z.B. die Bestäubung von Obst und Raps zu sichern:

Wir wollen uns im Folgenden nur mit den insektenblütigen Pflanzen beschäftigen, denn nur sie liefern den Nektar, aus dem unsere Bienen dann den Honig herstellen.

Um nun Insekten zu den Blüten zu locken, bedienen sich die Pflanzen eines Tricks; sie locken die Insekten mit süßem Nektar zur Blüte. Die Bienen wiederum ernähren sich ausschließlich von Nektar und Pollen. Sie bemühen sich, möglichst große Vorräte für die nektarlose Zeit im Herbst und Winter zu sammeln. In dieser Zeit sind die gesammelten Vorräte für sie überlebenswichtig.

Die vermehrungswillige Pflanze also stellt in ihren Blüten Nektar zur Verfügung, welcher dicht neben den ebenfalls in den Blüten vorhandenen Pollenkörnern (Staubgefäßen) angeboten wird. Die Biene setzt sich auf die Blüte, saugt den Nektar auf und pudert ihren behaarten Körper ungewollt mit dem Pollen ein, anschließend fliegt sie zur nächsten Blüte.

Der an ihren Haaren anhaftende Pollen gelangt bei der Nektaraufnahme auf die klebrige Nabe der Blüte, damit hat  die Bestäubung stattgefunden.

Nun wird es für uns Imker interessant: 

Nachdem die Biene ihren Vorratsmagen durch Besuch etlicher Blüten gefüllt hat, fliegt sie zurück zum Bienenstock. Im Inneren des Bienenstockes übergibt sie den gesammelten Nektar einer jüngeren Biene, welche noch keine Trachtflüge unternimmt. Sie ist für die Pflege des angelieferten Nektars zuständig. Der Nektar hat, wenn er aus der Blüte kommt, einen Wassergehalt von ca. 80%, in diesem Zustand ist er wie Wasser und würde in kürzester Zeit in Gärung übergehen. Die Jungbienen trocknen den Nektar auf ca. 15-17% Wassergehalt herunter und geben dabei körpereigene Fermente hinzu, um ihn haltbarer und verdaulicher zu machen.

Durch diesen Vorgang wird der Nektar zu Honig.

Die Bienen können den Wassergehalt offenbar messen, denn erst nach Erreichen des optimalen Wassergehaltes wird der Honig in Vorratszellen eingelagert und die Zellen mit einem Wachsdeckel verschlossen. Er ist nun für längere Zeit haltbar. 

Die Arbeit des Imkers:

Nachdem wir festgestellt haben, dass der Nektarstrom versiegt ist, weil  alle Blumen der Trachtpflanze ( z.B. Raps oder Akazie) verblüht sind, lassen wir den Bienen noch 2-3 Tage Zeit. In dieser Zeitspanne wird auch der zuletzt eingetragene Nektar auf 15-17% Wassergehalt  heruntergetrocknet und von den Bienen fermentiert. Wir entnehmen diesen nun voll ausgereiften Honig den Bienenvölkern und transportieren ihn in unseren Schleuderraum. Hier werden die von den Bienen errichteten Wachsdeckel mittels  Messer von den Honigwaben abgeschnitten, und in einer Zentrifuge (die Imker nennen sie Schleuder) wird der Honig mittels Fliehkraft von der Wabe getrennt. Nachdem er mehrere Siebe passiert hat, um auch die feinsten Wachsteilchen zu entfernen, wird er entweder in ein Lagergefäß oder in ein Honigglas gefüllt. Der gesamte Schleudervorgang findet ohne große Wärmezufuhr statt, damit bleibt der Honig weitestgehend in dem Zustand, in dem er sich auch im Bienenvolk befunden hatte. Wegen der Wärmeempfindlichkeit des Honigs ist es sehr wichtig, dass er, zumindest längerfristig, temperiert gelagert wird.

Deshalb kommen die Gläser, nachdem sie etikettiert wurden, in unser gekühltes Warenlager und verbleiben dort, bis wir sie an unsere Kunden verkaufen.